„Ich bin bereit, meine Wahrheit auszudrücken, egal was passiert, die Wahrheit dessen, wer ich bin, die Essenz meines Kerns, mein Gefühl in jedem Moment.

Und ich will meine Seele zu öffnen und sie fließen zu lassen, damit andere ihre Seele in meiner sehen können…“

Unbeschreiblich...

Hallo Ihr Lieben,

gerade zurück aus Deutschland genieße ich wieder die Wärme und das erfrischende Morgenbad im Meer und bin mir sehr bewusst, dass ich im Paradies lebe. Manchmal ist dieses Gefühl überwältigend, ich habe es ja nicht bestellt!? Jedenfalls nicht im Sinne der materiellen Welt. Doch weiß ich, dass ich in meinem Leben etwas dafür „getan“ habe. Ich erlaube mir dann kleine Ausflüge in meine Erinnerungen, es kommen Bilder, gefühlte Situationen, markante Wegkreuzungen, vertraute Weggefährten, geliebte Liebhaber, ja, vor allem aber die Momente des Erkennens einer tiefen Wahrheit und Weisheit in mir, der ich vertraut habe und die mich geführt hat, bis hierher, bis heute. Es ist ein Leben ohne Angst, ein Leben in Liebe und im Licht und in grenzenloser Dankbarkeit…

Umso stärker und direkter trifft und berührt es mich, wenn ich von Mitmenschen erfahre, die gerade vor Herausforderungen stehen, die ihnen alles abverlangt an Bewusstheit, Hingabe, Vertrauen, Loslassen und Kraft.

Wie groß kann denn Schmerz sein, dass er noch erträglich ist?

Oder so unerträglich wird, dass nur noch eine Droge Linderung verschafft?

Und ich weiß, dass mir nicht mehr viel Lebenszeit geschenkt wird?

Das Leben in dieser individuellen Verkörperung ist begrenzt, dieser Körper wird eines Tages seinen letzten Atemzug nehmen und dann zurückkehren in den Humus, aus dem er entstanden ist, auf dass die Seele aufs Neue ihre Flügel ausbreitet. Es ist gut zu erforschen, wer ich bin, warum ich hier bin, was meine Aufgaben sind und wohin diese Reise gehen kann. Dem habe ich die letzten 40 Jahre meines Lebens gewidmet und staune noch immer, wie viele neue Türen sich öffnen zu unbeschreiblicher und würdevoller Schönheit in unserem gemeinsamen Herzensraum…

Ja unbeschreiblich.

Der große Weg

Morgen teile ich das Vermächtnis einer Schwester mit Euch. Tory ist eine Meisterin des Zen Buddhismus. Sie ist unheilbar erkrankt und ihr Brief an Familie, Freunde, Schüler und Wegbegleiter ist ein ergreifendes Zeugnis ihrer Konfrontation mit dem nahenden Tod. Ich hoffe, ihr findet alle die Zeit, den Text zu lesen oder auch zu hören. Lipopo hat ihn für uns gesprochen.

Wenn wir uns denn am kommenden Sonntag zu unserem 50.Talk treffen, mag  Leben und Sterben unser Thema unserer Betrachtung sein. Darauf freue ich mich.

Bis dahin viele herzliche Grüße aus dem Arillas Paradies.

Von Herzen
Anadi

An seinem letzten Tag
sagte der Zen-Meister Tanka zu seinen Schülern:

Bereitet mir ein Bad vor,
ich gehe jetzt.

Dann setzte er seinen Strohhut auf,
hielt einen Stock in seiner Hand,
zog seine Sandalen an
und machte einen Schritt vorwärts.

Bevor sein Fuß den Boden berührte,
war er gestorben.

Bereit für den Tod • von Osho

“Was für eine Art zu sterben! Mit solch einer Klarheit. Der Tod kommt und er bereitet sich auf die Reise vor. Die Leute, die ihn mit einem erhobenen Fuß stehen sahen, konnten nicht sehen, dass sein Fuß auf das Unsichtbare hindeutete. Er hatte seinen Körper verlassen und das Bewusstsein wurde Teil des Kosmos.

Ein Mensch der Meditation wird sich darüber bewusst, den Körper zu verlassen, wenn die Zeit dafür reif ist. Oder, wenn der Körper versucht, sich des Bewusstseins zu entledigen. Ein Mensch im Zen stirbt bewusst, deshalb ist sein Tod kein Tod, sondern der Eintritt in die Unsterblichkeit.

Nur ein Mensch mit einer so großen Klarheit wie Tanka kann die Dinge vorhersehen, die passieren werden. Er ist immer bereit, sogar für den Tod. Die meisten Menschen sind fürs Sterben nicht bereit. Wenn du sie fragst, sagen sie: “Warte noch, es gibt noch so viele Dinge zu tun!”

Nur ein Mensch der Meditation ist immer bereit. Er hat mit großer Intensität in jedem Moment alles getan. Seine Taten sind vollkommen zu Ende gebracht. Er wird den Tod nicht um Aufschub bitten.

Zen ist beides: eine wunderbare Art zu leben und eine wunderbare Art zu sterben.”

Osho, Zitat – Auszug aus The Zen Manifesto: Freedom from Oneself #5

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