Vor genau einem Jahr begegnete mir diese Zeichnung. Sie zeigt die uns allen bekannte Figur des Pinoccio, einer Holzpuppe, die unter den Händen des Holzschnitzers zum Leben erwacht und dadurch fähig wird, menschliche Erfahrungen zu machen. Dabei begleitet ihn die Eigenschaft seiner Nase, immer dann zu wachsen und länger und länger zu werden, wenn er nicht die Wahrheit sagt. Nun hat diese verblüffende Eigenschaft einen Haken: Sie wird in dem Moment widersprüchlich und hebt sich damit auf, wenn er sagt: „Meine Nase wächst gerade.“

Wächst sie nun oder wächst sie nicht? Lügt er oder lügt er nicht?

Ja was denn nun?

Das Widersprüchliche

Ein Paradoxon; auch das Paradox oder die Paradoxie, Plural Paradoxe bzw. Paradoxien; vom altgriechischen Adjektiv παράδοξος parádoxos „wider Erwarten, wider die gewöhnliche Meinung, unerwartet, unglaublich“ ist ein Befund, eine Aussage oder Erscheinung, die dem allgemein Erwarteten, der herrschenden Meinung oder Ähnlichem auf unerwartete Weise zuwiderläuft oder beim üblichen Verständnis der betroffenen Gegenstände bzw. Begriffe zu einem Widerspruch führt.

Die Analyse von Paradoxien kann zu einem tieferen Verständnis der betreffenden Gegenstände bzw. Begriffe oder Situationen führen, was den Widerspruch im besten Fall auflöst.

Das Leben ist paradox in sich

Bei der Erforschung der inneren Räume begegnet mir immer wieder die Widersprüchlichkeit in allem, was das Leben ist: Wahrheit-Lüge, Liebe-Hass, Ja-Nein, Geburt-Tod, Licht-Dunkelheit, innen-außen, zusammen-getrennt, etc. Wir finden Wahrheit in der Unterscheidung von Qualitäten, Haltungen, Erfahrungen, Wahrnehmungen oder Bewertungen und müssen bei näherem Hinschauen „feststellen“, dass hinter allen Gegensätzen, außerhalb der Dualität, die unsere Wahrnehmungen beherrscht, eine gemeinsame Wahrheit existiert, die alles einschließt.

Diese Erkenntnis ist nicht das Ergebnis von philosophischen Betrachtungen, sondern von der Bereitschaft, sich der Existenz mit offenem Herzen zu nähern. Sie kommt im Gesang eines Vogels, dem Rauschen der Meeresbrandung, einer unerwarteten Begegnung, der Trauer im Verlust eines geliebten Menschen, der Freude über eine neue Liebe, dem Glück in einer Gemeinschaft Geborgenheit und Zuflucht zu finden.

In diesem Sinne ist mein Versuch, hier etwas zu sagen, was eigentlich nicht gesagt werden kann, als Hinweis auf ein Mysterium zu verstehen, das in uns allen wohnt und darauf wartet, entdeckt, noch besser „erinnert“ zu werden. Jetzt, im nahenden Vollmond, dem Blauen Mond am 22.8. mit seiner kraftvollen Energie, ist eine wunderbare Zeit, dies ganz bewusst als Samen in unsere Herzen zu nehmen. Den Rest erledigt das Leben…

Im kommenden Beitrag:

DIE HERZ SUTRA

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