Claudia

Was bedeutet es für mich, meine innere Tür zu öffnen?

Die Antwort auf diese Frage liegt für mich in meiner Beziehung zu anderen Menschen.

Mir Zeit für sie zu nehmen und auf sie zuzugehen.

Obwohl mir meine Freunde absolut am Herzen liegen, fällt mir genau das oft nicht leicht. Meist fühlt sich mein Leben so voll und ausgefüllt an, dass ich das Gefühl habe, dafür keine Zeit und Kraft übrig zu haben.

Die Arbeit mit den Kindern in der Schule, die Pferde versorgen, die Arbeit am Stall, im Garten… für mich sein und all das tun, was getan werden muss und was ich ja auch sehr gerne tue.

Genau da hinein in so eine Zeit, als ich gerade wieder einmal das Gefühl hatte, überhaupt keine Zeit und Kraft mehr übrig zu haben, hat mich vor ein paar Wochen die Nachricht erreicht, dass ein guter Freund- ein Mensch, der mir zutiefst lieb und wert ist- eine Gehirnblutung hatte. Es war klar, dass sein Leben nun zu Ende gehen würde.

Hermann und ich waren uns vor 22 Jahren an der Schule begegnet. Ich jung und voller Begeisterung, er ein erfahrener Lehrer und immer noch voller Begeisterung.

Ein Musiker – ich werde stets vor Augen haben, wie er sich immer voller Schwung ans Klavier setzte – ein Theatermensch, der unseren Schülern die Rollen und Lieder auf den Leib geschrieben und ihnen damit gezeigt hat, was in ihnen steckt.

Obwohl ich wusste, dass die letzten Tage für die Familie und engsten Freunde reserviert waren und ich mich nicht aufdrängen wollte, habe ich mir ein Herz genommen und seine Frau Maria gefragt, ob ich zu ihm kommen kann.

Die Antwort war „Hermann würde sich freuen dich zu sehen.“

Als ich dann das Zimmer betreten habe, ihn so daliegen sah und mir absolut bewusst wurde, dass ich ihn jetzt das letzte Mal sehe, hat es mir erst schon heftig ins Herz geschnitten.

Doch als ich dann ganz nah bei ihm war – seine Hand gehalten habe, sein Gesicht berührt, stundenlang – war ich einfach nur noch dankbar da zu sein.

Und neben dem Schmerz, ihn jetzt tatsächlich und unweigerlich gehen lassen zu müssen, war es ein unermessliches Geschenk. So viel Liebe zu spüren, wenn man ganz da ist beim anderen.

Und es war plötzlich auch so klar und eindeutig, dass sein Leben mit dem Tod nicht endet. Dass ein neuer, weiter Raum auf ihn wartet. Überhaupt habe ich diese wertvollen Augenblicke als tiefe Öffnung empfunden, wofür ich sehr dankbar bin.

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