Judith

Oh je, lieber Anadi, da erwischst Du mich ja auf kaltem Fuß … Ich wollte gerade endlich einmal zu halbwegs „normaler“ Zeit schlafen gehen, daraus wird nun wieder nix.
Aber ich sehe ein, dass, wenn Du aus meinem „Gemischtwarenladen“ noch etwas für den Kalender zaubern möchtest, dann muss ich wohl oder übel ganz schnell „liefern“. 😉

Beim Thema Fotos fängt es schon an, ich habe seit meiner neuen Haarfarbe nur ein paar wenige und auch nur Selfies … Schade, mehr hab ich leider noch nicht.

Aber jetzt hab ich eine geniale Idee … Du bekommst eins von den neuen Selfies und – tätätä!! – weil Du ja eins möchtest, das MIR gefällt, habe ich den schönsten Fund im Archiv gemacht. Überhaupt, mein Heartsangha-Fotoarchiv ist super, super schön … wenn es nur ohne Anna nicht so traurig wäre.

Aber das, was ich aufgetan habe, ist richtig, richtig schön! Es wird Dir und den anderen auch gefallen. Mein Gott, wie vergnügt und ausgelassen wir damals noch waren. Schluchz.

So, geschafft! Nach 20 Min ist das Thema durch. Schneller und besser konnte es gar nicht klappen.

Adé zur guten Nacht, lieber Anadi … und – wie gesagt – ich hoffe sehr, dass wir uns zu Silvester- oder Neujahr noch per Zoom zusammenfinden. Das wäre wunderbar!
Muss ja nicht lang sein, darauf kommt es gar nicht an.

Sei von Herzen gegrüßt und umarmt
Judith

Die neue Zeit kann nur so gut sein, wie wir, die sie gestalten!

Jetzt ist sie also wieder da, die Zeit der Raunächte, die Zeit der Stille und des Rückzugs, in der alles darauf wartet, dass die Dunkelheit endlich überwunden ist.
Vielleicht zeigen uns diese wundersamen Nächte gerade in diesem Jahr sehr deutlich, was „rau“ bedeutet, nämlich, mit der „Rauheit“ unserer eigenen Seele konfrontiert zu sein:
mit den Ängsten, der Wut und dem Zorn, mit der Unfähigkeit mit dem Unkontrollierbaren umzugehen, es anzunehmen und – vielleicht ein wenig demütiger als sonst – zu warten auf das, was kommt.
Ja, es ist eindeutig leichter, von Stille zu sprechen, als sie auszuhalten.

Die Raunächte sind eine Einladung, die Dunkelheit anzunehmen, sich ihr hinzugeben, wie es unsere Ahnen Winter für Winter taten, weil sie sich als Einheit eines größeren Ganzen sahen – ungetrennt von Natur und Kosmos – und weil Hingabe die einzige Möglichkeit war, den dunklen, rauen Winter zu überstehen – ohne Schaden für sich selbst und die Gemeinschaft.

Gerade in diesem Jahr war die Wintersonnenwende begleitet von einer besonderen Konstellation … viele sehen darin den Beginn einer neuen Zeit.

Was immer sie bedeuten mag, ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass auch eine neue Zeit nur so gut sein kann, wie die Menschen, die sie gestalten!

(Ilona Picha-Hoeberth)

Einwilligung

Einwilligung

Der Trost hat mich gefragt,
ob ich bereit bin,
durch den Schmerz hindurchzugehen, anstatt ihn zu umkreisen,
und ob ich meinen Finger
so lange in die Wunde lege,
bis ich das Unversehrte darin fühlen kann.

Er hat mich gefragt,
ob ich mich halten lassen werde von Armen, die nichts je wieder in Ordnung bringen,
und ob ich schweigen kann,
bis irgendwann wie warmer Atem ein gutes Wort mich streift.

Er hat mich gefragt,
ob ich mich bücken werde
zur kleinen blauen Blüte am Wegesrand,
ob ich Kirschen von den höchsten Ästen pflücke und ob ich es ertragen kann, wenn mich am Abend ein Glück ganz ohne Grund befällt.

Er hat mich gefragt,
ob ich erahne, dass ich auf nichts ein Anrecht habe, auch nicht auf die Untröstlichkeit, weil sich in jedem Augenblick das Leben selbst an mich verschenkt, ohne zu zögern und ohne Maß.

Wie eine, die noch in die Weite dieses Wortes wachsen muss, sagte ich Ja.

(aus Giannina Wedde „Es wächst ein Licht in deinem Fehlen“; Vier Türme 2019.

https://kurzelinks.de/lxdc) #Trost #Trauer #Tod #Trauerarbeit

Aber ich verspreche Dir

Aber ich verspreche Dir

Ich kann Dir nicht versprechen, Dich zu trösten, aber ich verspreche Dir, dass ich mir einen Raum im Herzen bewahre, in dem Deine Trostlosigkeiten ausruhen können. Und dass ich Dich nicht missachten werde durch verharmlosende Worte, und nicht täuschen mit einem Lächeln aus Marmor und falscher Überlegenheit.Ich kann Dir nicht versprechen, Dich zu halten, aber ich verspreche Dir, dass ich mich mit Dir erinnern will, an die Kraft, die uns immer schon hielt, auch in den Zeiten, als wir uns fühlten wie Verlassene. Ich will mit Dir das Gestern bereisen, mehr noch das Morgen, aus dem uns diese Kraft ruft, und mit Dir ein neues Hören lernen.

Ich kann Dir nicht versprechen, Dich zu verstehen, aber ich verspreche Dir, durstig zu bleiben für Deine Wahrheit und davon zu trinken, so oft wir ahnen, dass mein Herz an Deiner Fremdheit reifen muss, dass Du lebst in dem Maß, in dem Du gehört bist, und dass wir erst in der Begegnung Mensch werden.

Ich kann Dir nicht versprechen, Dich zu bewahren vor dem Kummer der Stunde, vor der kalten Hand des Verlusts, vor dem nagenden Zweifel und vor den Dingen, die nicht in unserer Hand liegen, aber ich verspreche Dir, Deine Hand zu halten, wenn Du sie zur Faust ballst, zu sprechen, wenn Du Deine Stimme verlierst, und der Furcht keinen Raum zu geben, ich könnte an Deiner Wirklichkeit Schaden nehmen.

Denn am Morgen erwachen wir mit der gleichen Sehnsucht, und nachts wärmen unsere müden Hoffnungen einander, während wir schlafen, und vielleicht vermögen wir nicht viel, aber wir vermögen einander Schwester und Bruder, ja, wir vermögen einander Segen zu sein.

(Aus meinem Buch: Giannina Wedde „In Deiner Weite lass mich Atem holen“, Vier Türme Verlag 2018, http://kurzelinks.de/zgay)

Wir alle fallen

Wir alle fallen

Es ist vielleicht lange her, dass Du Dich gut gefühlt hast. Dass Du mit Dir im Reinen warst. Dass Du Dich gesund fühltest, jung und lebendig. Wie oft denkst Du daran, dass etwas fort ist, etwas, das Du nicht benennen kannst, etwas, das Dir so schmerzlich fehlt.
Manchmal denkst Du, dass es Deine Jugend ist, Deine Unbeschwertheit, die Unverbrauchtheit Deines Körpers und Deiner Hoffnungen.

Manchmal denkst Du, Du habest an irgendeiner schicksalhaften Wegbiegung die falsche Richtung eingeschlagen und fortan nur noch das Unheilvolle angezogen, das Dich nun so quält. Manchmal denkst Du auch, vielleicht habe Dich etwas verlassen wie der Heilige Geist, wie der Segen und Zuspruch Gottes, wie eine Gewissheit, dass das Leben gut ist, und dann ist Deine Einsamkeit bodenlos und Du fürchtest, nie wieder zurückzufinden in die Freude und den Frieden, in ein selbstverständliches Gefühl von Lebendigkeit.

Du fürchtest, immer tiefer zu fallen, ohne Aussicht auf eine Hand, die Dich auffängt. Du bist nicht allein darin. Deine Einsamkeit mag bodenlos sein und Dein Fallen endlos, aber mit Dir fallen so viele Brüder und Schwestern, und nur ihr Schrecken, ebenso wie Deiner, lässt sie glauben, dass sie allein sind.

Es ist wohl wahr: Es gibt kein Zurück. Nie wieder wirst Du den Punkt finden, bevor jene unheilvolle Angst in Dich drang. Nie wieder wirst Du den Punkt finden, an dem Du warst wie ein unschuldiges Kind, das die Not der Welt noch nicht kennt. Aber dessen bedarf es nicht. Es würde Dir nicht dienen und auch nicht der Welt, an der Du leidest. Das Reifen jeder Frucht bedeutet, dass sie den Stamm verlässt. Versuche nicht, wieder der Mensch zu werden, der Du warst. Dieser Mensch ist fort und doch nicht verloren, denn er ist gebettet in Dein Werden, in die Ungewissheit, der Du Dich noch nicht ergeben magst. Die ungewisse Reise ist heilig, sie führt Dich von Dir fort und zu Dir hin und wieder von Dir fort, immerzu, wie ein fließendes Gewässer, das an keinem Tag dasselbe ist und das doch immer getragen ist vom selben Grund.

Erlaube Dir, Dich in Dein Fallen hinein zu entspannen. Halte inne.
Lass es geschehen. Erlaube Dir die Annahme, dass es irgendwo in diesem Fall und in den Weiten Deiner Seele eine funkelnde Kostbarkeit gibt, die sich Vertrauen nennt. Erlaube Dir, dieses Vertrauen zu erträumen, es zu ahnen und es manches mal in seiner ganzen Tiefe zu erfahren, während Du fällst. Erlaube Dir, dieses Vertrauen kennenzulernen wie einen Gast, der unerwartet in Dein Leben tritt. Und wie wir oft im Fremden den Freund erblicken, den wir nicht mehr zu erhoffen wagten, so wirst Du in diesem Vertrauen Dich selbst erkennen, Dein tiefstes Wesen, das eine sieghafte Gewissheit in sich trägt, eine Erinnerung, die Dir niemals abhanden gekommen ist.

Wir alle fallen. Wir fallen durch zahllose Siebe, gereinigt von wissender Hand. Lass es geschehen. Hier, an den schwindelerregenden Rändern der Ungewissheit, liegt ein Segen, der auf die Weite Deines uferlosen Herzens wartet.

(aus: Giannina Wedde, In deiner Weite lass mich Atem holen, Vier Türme 2018, 2019 und 2020. Überall im Buchhandel und hier: www.klanggebet-shop.de)

Alles ist Weg

Alles ist Weg.

Jeder Tag stellt seine eigenen Fragen,
jede Begegnung fügt die Schritte vieler zusammen, jede Aufgabe schmiegt sich neu in Deine Hand. Richte Dich nicht im Bestehenden ein,
werde nicht schläfrig am Wieder-und-Wieder,
kein Mensch ist derselbe, den Du gestern noch sahst, und die gestrigen Worte liegen heute schon
schal in Deinem Mund.
Alles ist Weg.
Auch Dein Arbeiten, auch Dein Ruhen,
und die Träume dazwischen, die flüstern:

Jede Ankunft zieht Kreise,
nach oben zum rufenden Sog,
wie die Treppe im Turm der Kathedrale, der den unausweichlichen Klang
der Glocke birgt.
Reise mit Freude.
Alles ist Weg.

(© Giannina Wedde – Klanggebet. Leben aus der Kraft inneren Betens. www.klanggebet.de)

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