Sissy

Augen öffnen Herzenstüren

Eine hartnäckige Augenentzündung forderte mich in den letzten Tagen auf eine besondere Weise auf, mich einerseits mit der medizinischen Funktion, aber auch mit der Ausdruckskraft unserer Augen zu beschäftigen. Davon möchte ich euch erzählen.
Einerseits fiel mir natürlich das gewöhnliche Sehen schwerer. Die erhöhte Konzentrationskraft, die ich einsetzen musste, führte nach wenigen Stunden zu Kopfschmerzen und ständigem Tränenfluss. So öffneten sich auf diesem Wege vielleicht Schleusen, die ich bislang mit viel Krafteinsatz geschlossen gehalten hatte…

Ausserdem fühlte ich mich mit den verquollenen roten Augen in Kombination mit der Maske gleich doppelt verunstaltet und hässlich.
Geradezu eine Zumutung für meine Mitmenschen!

In diesem Leidensdruck fing ich aber auch an, mich wachsamer und intensiver mit den Augen meiner Nächsten zu beschäftigen.
Ich begann zu analysieren, was mir an den Augen, in die blickte, besonders gefiel und warum.

Dabei entdeckte ich, dass nicht die Augen auf mich besonders anziehend wirkten, die ganz makellos oder attraktiv geschminkt aussahen, sondern diejenigen, die lächelten!
Mit einem achtsamen Blick in die Augen meines Gegenüber war dieses Lächeln auch unter der Maske deutlich zu erkennen, selbst wenn der Stoff den größten Teil der Mimik gerade verdeckt.

In ersten Selbstversuchen lächelte ich mir daraufhin im Spiegel selber zu, um dann dieses Lächeln, trotz meiner „äußeren Makel“,mutig nach außen zu tragen.
In der Resonanz meiner Mitmenschen darauf durfte ich dann erleben, dass ich durchaus nicht einfach auf mein krankes Auge reduziert gesehen wurde (wie ich bisher vermutet hatte). Im Gegenteil, ich erhielt sogar einige Komplimente, die sich auf mein „Strahlen“ bezogen!

Diese Erkenntnis beglückte und erleichterte mich sehr!

Wie so oft ging es auch hier um die bewusste Entscheidung, worauf ich mich konzentrieren möchte.

Mein krankes Auge befindet sich mittlerweile übrigens auf einem stabilen Heilungsweg.
Ich habe aufgehört, es zu drängen und zu fordern, baldmöglichst wieder „normal“ auszusehen und zu funktionieren.

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