Anadi

Ihr Lieben,

hattet Ihr schon einmal den Impuls, einer Empfindung im Herzen nach zu gehen, indem ihr einfach angefangen habt zu schreiben? So ging es mir in der vergangenen Woche.

Mein sensibler Rücken hatte mich wieder einmal in die Horizontale geschickt, wer das kennt, weiß um den Schmerz. Zum Glück ist Sandra noch in Arillas und sie hat sich liebevoll um mich gekümmert – Wärmflaschen, Schnittchen, Obst, Wasser und ihre tröstende und mitfühlende Gegenwart. Danke!

Jedenfalls begann ich einfach zu schreiben und meine Tränen waren Beschleuniger und Schleusenöffner.
Gerne teile ich das mit hier Euch, was sich da ausdrücken wollte und wenn Ihr wissen wollt, wie sich das anfühlt, versucht es doch selbst einmal…

Veränderung

Durch das Internet bin ich auch nicht ganz „aus der Welt“. Ich war nie ein Politiker und werde es wohl auch nicht mehr werden, aber ich habe schon immer auch an den gesellschaftspolitischen Geschehnissen Anteil genommen. Ich beobachte sie auch jetzt und habe in diesen Tagen den Regierungswechsel in unserem Land mit Sympathie verfolgt.

Was auch immer da genau vor sich geht, ich spüre Dankbarkeit für die Veränderung und wünsche denen, die sich jetzt auf ihre Weise bemühen, drängende Probleme zu lösen, eine glückliche Hand und gutes Gelingen für uns alle. Unser Wohlwollen ist ein Ausdruck der Liebe, der Liebe, die uns alle beseelt.

Ein Foto

Und jetzt komme ich zum Impuls für meinen Beitrag, wobei ich hier an dieser Stelle noch nicht wusste, was da kommen würde:

Ich schreibe einfach los und vertraue dem fließen wollenden Wärmestrom.

In der vergangenen Woche ging ein Foto durch die Medien, dass Ihr bestimmt auch gesehen habt, dass ich aber gerne noch einmal mit euch teilen möchte, weil es dies alles hier ausgelöst hat. Es zeigt eine junge Frau, die übrigens meiner Tochter Lisa sehr ähnlich sieht, in einem roten Kleid unter dem Eiffelturm in Paris an ihrem ersten Arbeitstag in der neuen Funktion als Aussenministerin unseres Landes. Ich sage hier ganz offen, dass es mir gut tut, sie hier zu sehen. Zum ersten Mal eine Frau in dieser von Männern beherrschten Domäne der internationalen Politik, die meinen, die Lenkung der Geschicke der Welt sei für sie reserviert!

Du traust dich und das ist wunderbar. Danke Annalena. Bereits jetzt wirst du von vielen kritisiert und missachtet, nur deswegen.


Nur einige Jahre vor meiner Geburt stand hier ein anderer in vermeintlicher Siegerpose nach dem Überfall der deutschen Truppen auf unsere Nachbarn. Ich habe das Foto gesehen. Meine Generation brauchte die Unmenschlichkeit in der furchtbarsten Form bisher nicht erleben und wir helfen auf eigene Weise dabei mit, dass es hoffentlich so bleibt, obwohl andernorts und gar nicht so weit entfernt schon wieder Männer mit den Säbeln rasseln.

Ja, indem wir unsere Herzenskräfte entfalten, dürfen wir so vieles entdecken und verwirklichen, wovon unsere Ahnen bestimmt geträumt haben, aber so nicht erleben konnten. Ich bin sehr dankbar dafür.

Anneliese

Ich nehme an, dass ich über meine Eltern viel aufgenommen habe, was Menschen individuell und kollektiv in einer Katastrophe erleben mussten, die von unserem Land ausging. Es waren keine Fakten, keine Bilder, die kamen später. Es waren starke Empfindungen, eine Art von Erinnerungen auf der seelischen Ebene an Angst, Bedrohung, Grauen, Verlust, Hilflosigkeit und Schmerz. Wie oft habe ich als kleiner Junge geweint und wusste nicht warum. Du wusstest es wohl, denn Du hast mich immer liebevoll getröstet, einfach so. Und ich fühle dies heute noch, da kann ich auch jetzt immer verweilen. Danke.

Quelle

So, da habe ich euch etwas erzählt davon, was ein Foto auslösen kann. Da ist bestimmt noch viel mehr, was ich auch über meinen Vater erzählen wollte, aber das vielleicht ein anderes Mal.

Da komme ich also her. Leben ist stete Wandlung mit der Möglichkeit, auf zu wachen, in jedem Moment. Heute bin ich der, der ich geworden und weiter werde und ich bin auch der, der ich zeitlos schon immer war. Ich bin im Kontakt mit dem, was mich schon mein ganzes Leben lang in der Tiefe meines Herzens bewegt und geformt und geführt hat. Das ist mir gegeben und ich umarme es alles und nehme es in unendlicher Dankbarkeit an und teile was mir geschenkt wird, so gut ich kann.

Diese Erkenntnis ist meine Wahrheit und sie ist voller Reichtum. Ich weiß, sie ist die Quelle meines Hier Seins in dieser Welt und in ihr bin ich aufgehoben wie auf dem Arm meiner geliebten Mutter und mit allem untrennbar verbunden.

Mit Dankesgrüßen auch an Euch alle in meinem Leben. Ich liebe Euch und ich wünsche Euch und allen die Ihr liebt nicht nur einen wunderbaren Adventssonntag sondern auch ein gutes Leben im warmen Strom der Liebe.

Anadi ❤️

Gespielt am Abend des 11.Dezember … die Quelle ist Dankbarkeit…

Christiane

Lieber Anadi, was für ein Geschenk am Abend dieses eh schon so reichen Adventssonntags! Danke für deine Nähe, den Fluss deiner Worte, mit vielem gehe ich in Resonanz, aber das würde jetzt den Rahmen hier sprengen. Darum nur einige Aspekte : Die Frau im roten Kleid - in meiner Zeitung stand dazu der Kommentar, dass unsere neue Außenministerin dieses und andere Fotos für ihre Kinder gemacht hat: Seht mal, Mama in Paris! Mich hat das sehr berührt, dass in dieser weitgehend macht- und männerbestimmten Welt das Weibliche, die Mutter, die ihre Kinder im Herzen dabei hat, sich ausbreitet, so nötig und wohltuend...Danke für dein wunderbares Klavierspiel! Ich höre darin Schritte, Schritte, meistens fest, mal tanzend, dann wieder fest vorangehend. Ja, und danke für dein weiches und liebevolles Bild. Und für so vieles mehr, davon ein andermal. In aller Liebe Christiane ❤️

Helmut Bauer

Lieber Anadi, deine Zeilen haben mich bewegt und zum Nachdenken gebracht. Auch ich bin meinen Eltern sehr dankbar für alles. Alles was ich bin, habe ich von ihnen. Auch, wenn ich als Jugendlicher rebelliert habe und wir nicht immer einer Meinung waren, haben sie mein Wesen geprägt. Einige Zeit habe ich gehadert, aber dann habe ich meinen Frieden mit ihnen geschlossen. Die Zeit aus der sie kamen waren geprägt vom Krieg und dem Neuanfang in Deutschland. Sie haben hart gearbeitet, um uns drei Brüdern einen Weg ins Leben zu ermöglichen. Leider konnten wir nicht soviel über die Kriegszeiten sprechen, da war so nicht möglich. Besonders mit meinem Vater, der als junger Mann aus dem Russlandfeldzug zurückkam. Sein älterer Bruder gilt heute noch als vermißt. Er kam mit einer schweren Verletzung zurück, aber er konnte mir nicht erzählen, was passiert war. Um so mehr bin ich dankbar, was sie mir alles ermöglicht haben.

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